Stellungnahme zum Covid19-Maßnahmengesetz 2020

Ich habe mir erlaubt, eine Stellungnahme zu dem Ministerialentwurf betreffend Bundesgesetz, mit dem das Epidemiegesetz 1950, das Tuberkulosegesetz und das COVID-19-Maßnahmengesetz geändert werden zu verfassen und diese auch neben anderen auf der Seite des Hohen Hauses als Teil meiner Bürgerbeteiligung einzubringen. Danke auch an Dr. Judith Girschik für die Kooperation.

Nachdem die Verschwiegenheit ein sehr wichtiges Gut der Mediation ist, war jener Absatz, welcher die Gesundheitsbehörden zur Beschlagnahme und Auswertung aller Unterlagen in Büros ermächtigt hätte, massiv zu kritisieren.

gehen wir zu Dir oder zu mir? – Das Setting der Nachbarschaftsmediation

Naturgemäß drehen sich Nachbarschaftskonflikte um das traute Heim. Um jene Konfliktherde, die wohl am besten zu verstehen sind, wenn man die räumlichen Gegebenheiten kennt und daher auch gut versteht. Daher bietet es sich an, den Locus Delicti, also die betreffende Wohnung auch im Rahmen der Mediation in Augenschein zu nehmen. Sollte man glauben..

Nun, ich gebe ja zu, dass ich hier wieder einmal nur für mich persönlich sprechen kann, schon allein, weil ich genau weiß, dass ein sehr geschätzter lieber Kollege die hohe Kunst der Hausbesuchsmediation zur Perfektion geführt hat. Leo, ich bewundere Dich… ich muss ja nicht all Deine Methoden kopieren…

Ich war allerdings erst kürzlich anlässlich einer „Factfindingmission“ im Rahmen einer Mediation vor Ort und möchte diesen Fall zum Anlass nehmen, meine Sichtweise darzulegen:
Unser erstes Treffen fand in den Räumlichkeiten der Hausverwaltung statt, hier war ich der „Hausherr“, bzw. bin ich in diesen Räumlichkeiten unzweifelhaft öfter zu finden, als die beiden so lärmgeplagten Nachbarn. Ich begrüße, ich empfange, ich biete den Medianden ein Mineralwasser an, nun ich gebe den Gastgeber. Hier bin ich der Chef, hier gebe ich auch als Mediator die Regeln vor. Im Gegensatz zur Wohnung der Partei: Hier gebietet die Erziehung ein anderes Gehabe, hier bin ich zwar einerseits als Mediator Chef des Verfahrens, als Mensch bin ich aber Gast und als Gast der zurückhaltenden Höflichkeit verpflichtet.
Ein weiterer Aspekt ist freilich auch die Gefahr, die eigene Wahrnehmung zu ernst zu nehmen: ein kleines Beispiel: Während die Parteien dahingehend einig waren, dass eine wiederum 3. Partei des Öfteren mit hammerähnlichen Geräuschen die Ruhe stören würde, konnte ich, als ich in der betreffenden Wohnung zugegen war, dieses Geräusch kaum ausmachen, wenngleich die Medianden betonten, dass es gerade wieder „ganz arg“ sei. “ ich bitte Sie, das ist doch nun wirklich nicht zu hören“ war ich versucht zu sagen, doch gerade dies steht mir als Mediator nun nicht zu. Ich bin keinesfalls der Richter, oder der Sachverständige, ob ein Geräusch nun erträglich oder enervierend ist, nein mich interessiert schlicht, wie es den Medianden damit geht. Lasse ich meine persönliche Sichtweise oder auch nur eine „objektive“ Messung der Lautstärke über ein Dezibelmessgerät über die Probleme der Menschen entscheiden, so nehme ich ihre Bedürfnisse und ihre Wahrnehmung nicht ernst. Meine Messgeräte sind meine Augen und mein Instinkt, mein Gefühl für den Konflikt und für die Medianden. Ich will Ihnen, ich will Euch helfen und nicht darüber richten, ob ein von dritter Seite definierter Richtwert überschritten wird oder nicht.

Was sind nun meine Fixpunkte? Wonach richte ich mich?
Gerne folge ich in meinem persönlichen, wie aber auch beruflichen Denken dem watzlawick´schen Konstruktivismus. Nicht die „Wirklichkeit erster Ordnung“ bestimmt unsere Wahrheit, nicht die reine Mathematik und die Klarheit der Physik bzw. Chemie in der unzweifelhaften Darstellung der Atome, sondern vielmehr die „Wirklichkeit zweiter Ordnung“. Diese ist von persönlichen Filtern geprägt, wie beispielsweise gemachten Erfahrungen, Erwartungen, Sichtweisen, oder im Falle ihres Autors von der Tatsache, dass die Welt bei einer Sehschwäche von 5 Dioptrien mit Brille bedeutend schärfer aussieht, als ohne.
Nein mir geht es nicht um die Wahrheitsfindung, dies maße ich mir nicht an. Ich nehme die Wahrheit der Medianden und arbeite damit. Aber eben lieber in meinen Räumlichkeiten als in den ihren. Denn höflich bin ich als Mediator lieber als Gastgeber, denn als Gast.

Konsensorientierte Besuchsbegleitung durch gemeinsame Bekannte

Zur Besuchsbegleitung durch Bekannte

Danke an den Familienbund

Danke dafür, dass in all jenen hocheskalierten Fällen, in denen es keinerlei gemeinsame Freunde oder Vertrauenspersonen gibt, die Profis vom Familienbund in der Sechshauser Straße 48 als Kontaktmittler die Kinder und den nicht im gemeinsamen Haushalt lebenden Elternteil unterstützen!

Danke

Aber eben nur in diesen Fällen ist es zwingend nötig, nachdem sonst ja auf jene Besuchsbegleiter zurückgegriffen werden kann, die von den Eltern im KONSENS gemeinsam genannt werden.

Dies fällt ja viel zu oft unter den Tisch: Selbst in jenen Fällen, in denen die Eltern einander nicht soweit vertrauen, dass sie die gemeinsamen Kinder ohne Aufsicht durch eine dritte Person dem anderen anvertrauen, braucht es nicht zwingend eine kostenpflichtige, vom Gericht aufoktroyierte Lösung. Auch hier kann im Sinne eines Konsenses die Mediation unterstützen und eben eine gemeinsame Vertrauensperson der Eltern finden, die dann an einem neutralen Platz (und bei aller Wertschätzung der Räumlichkeiten in der Sechshauser Str. 48.., eine freundliche Wohnung, ein Park im Sommer oder auch ein Cafe sind immer noch kindgerechter) den Kontakt des Kindes mit Mutter oder Vater in diskreter Art und Weise begleiten.

Siehe dazu auch Salicites in Kindeswohl = ADR bei Kindesabnahme? (Handbuch Mediation / Wanderer (Hrsg)

Mediation braucht keine Scheuklappen

Ich habe auf meinem Blog, welchen ich auf der Plattform WordPress.com betreibe einen Text zum Thema „Juristische Scheuklappen in der Mediation“ online gestellt.

Mediation bietet schließlich weit mehr Möglichkeiten, als das scheinbar so bekannte Setting des Gerichtsaales. Während es im juristischen Diskurs um Rechtsansprüche und Kostennoten geht, so stehen bei der Mediation die Bedürfnisse, Wünsche und Erwartungen, die Emotionen im Vordergrund. Mit anderen Worten, hier geht es um den Menschen, nicht um die Paragraphen.

Profunde Kenntnis der rechtlichen Materie und ein gutes Netzwerk an Anwälten und Notaren ermöglicht darüber hinaus auch, die zu treffende und die getroffene Vereinbarung in weiterer Folge juristisch durchsetzbar zu machen.

HIER ist der Link dazu

Verantwortung

Ja, es sind die Medianden, die als Fachleute für ihr Thema die Verantwortung für die Lösung haben, doch wir als Mediatoren haben diese Verantwortung zumindest genau so. Schließlich kommen unsere KlientInnen zu uns, um durch unsere Expertise einen Ausweg aus ihrem Dilemma zu finden. Wir dürfen sie dann unterstützen, dürfen nachfragen und wiederholen, dürfen schlicht und einfach mediieren.

Somit tragen wir als MediatorInnen, ja noch mehr alle mediativen Menschen eine hohe Verantwortung. Dahingehend, dass wir in einer Zeit, in der tatsächliche und fiktive Konflikte unseren Alltag wie auch die Medien beherrschen für unser persönliches Umfeld eine wichtige Rolle zu spielen haben. Ja, ich verdiene durch meine Tätigkeit als Mediator mein Geld. So wie ein Arzt auch, ein Richter oder ein…. oder Sie geschätzter Leser selber auch.
Und ich liebe und lebe es, Mediator zu sein.
In einer Welt des Dissenses, einer Welt des „Ich“ möchte ich auch das „Wir“ verständlich machen. Das ist Allparteilichkeit.

Das ist Verantwortung und das ist Mediation nach meinem Verständnis.

Ihr Ulrich Wanderer

Ulrich Wanderer Mediation ist Verantwortung
Mediation wie ein Handschlag

Mehr zu den Haltungen in der Mediation

Mediative Haltung in Leben und Beruf

Mediative Haltung

Eine mediative Haltung zeichnet sich durch ein hohes Maß an Respekt

Mag.Ulrich Wanderer

gegenüber den Medianden, allgemein den Mitmenschen und der Umgebung gegenüber aus. Nicht „ICH“ stehe im Handeln als Mediator im Mittelpunkt, sondern das gesamte Miteinander.
Mein eigener Einfluss auf das Gesamtbild beschränkt sich dabei auf die Unterstützung der anderen, um gemeinsam zu einem haltbaren und für alle (und so auch für den Mediator) positiven Ergebnis zu kommen. Diese (Lebens-) Haltung braucht zweifellos ein hohes Maß an Vertrauen in die Fähigkeiten der Mitmenschen und der Medianden, selbst wenn dieses oftmals aufgrund der Heftigkeit der diversen Konflikte nicht sofort begründet scheint.
Begriffe wie „Wertschätzung“, „Respekt“, „Optimismus“ und „Humanismus“ sind zentral für das Weltbild in der Mediation. Es geht hier nicht um weltanschauliche, moralische oder religiöse Zielsetzungen, die oftmals scheuklappenähnliche Funktion bekommen können, sondern vielmehr um das Verständnis der Medianden als Fachleute ihrer eigenen Situation und ihrer eigenen Lösung.

Wertschätzung

Die Wertschätzung der Medianden bezieht sich auf deren Expertise im eigenen Leben, im eigenen Konflikt. Selbst wenn die Mediatorin unter Umständen bei einigen Aspekten der Erzählung widersprechen wollte, so können, sollten und müssen die Medianden doch aufgrund ihrer höchstpersönlichen Geschichte als Experten für ihren Lebensweg gesehen werden und als solche höchstmögliche Wertschätzung erfahren.
Auch die Tatsache, dass seitens der Medianden erkannt wurde, dass sie zur Überwindung der Trennung ihrer Standpunkte die Unterstützung der Mediation in Anspruch nehmen wollen, verdient uneingeschränkte Wertschätzung seitens der Mediatoren und Mediatorinnen.

Respekt

Den Blick nicht primär auf sich selber, sondern auch auf seine Umgebung zu richten, ist eine wichtige Voraussetzung, um in einer Tätigkeit wie der Mediation längerfristig tätig zu sein. Respekt, also die Rücksicht auf andere Beteiligte meines Umfeldes bedeutet, dass ich die Auswirkungen meines Handelns auf all jene Stakeholder meiner Umgebung mit ins Kalkül ziehe.
Freilich bleibt es der Definition des Begriffes „Umfeld“ überlassen, was ich hier mitdenke. Ist es der jeweilige Gesprächspartner, sind es die beiden Konfliktparteien, bedenke ich auch das gesamte systemische Umfeld? Der Gedanke, den anderen so zu behandeln, wie man selber behandelt werden möchte ist nicht wirklich neu, doch gilt er immer noch und bietet Orientierung.
Weswegen ich mich für mein Gegenüber, für meine Mitmenschen, meine Umgebung und Umwelt interessiere, ist im Endeffekt sekundär. Wichtig ist am Ende, dass sich der mediatorische Mensch nicht im Zentrum seiner Welt, sondern als (gerne auch wichtiger) Teil derselben erkennt.

Vertrauen in die Fähigkeiten der Medianden

Vertrauen in die Fähigkeiten der Medianden in der Lösungsfindung ist eine Grundvoraussetzung einer mediativen Haltung, wäre doch die Alternative dazu die Tätigkeit der AnwältInnen, BeraterInnen und Coaches, um nur wenige zu nennen.
Die Grundhaltung, die Lösung nicht für die Mediandinnen zu formulieren, sondern sie nur aus ihnen herauszuholen, setzt voraus, dass wir in die Lösungskompetenz unserer Auftraggeber, der Medianden vertrauen. Nur, weil sie es oftmals nicht wissen, nur weil wir es oftmals nicht auf den ersten Blick erkennen können, bedeutet dieses nicht, dass sie diese Fähigkeit nicht haben. Gleich einem Bildhauer, der eine Skulptur nur aus dem Baumstamm, dem Steinblock herausholt arbeiten Mediatorinnen nur heraus, was in den Medianden vorhanden ist.

Optimismus

Ebenso ist auch Optimismus ein wesentlicher Aspekt einer mediatorischen Haltung. Der Optimist denkt in der Regel in Lösungen und Möglichkeiten, erkennt weniger die Schluchten, sondern eher die zu bauenden Brücken. Gerade in einer Tätigkeit, in der man mit Konflikten und Problemen der Mediandinnen konfrontiert ist, ist eine positive und optimistische Ausstrahlung auch ein wichtiger Start in die Beziehung zwischen Mediator und Medianden.

Nicht nur ein Job

Mediation ist nicht nur ein Job, nicht nur ein Tool. Mediation ist auch eine Lebenshaltung. Zumindest für mich persönlich. Ich sehe es, wie schon des Öfteren beschrieben, als Ehre an, den Menschen, die sich an mich wenden, mit Fragen (weniger mit Antworten) zur Seite stehen zu dürfen. Die Antworten haben die Leute schon selber, davon gehe ich aus. Sie brauchen nur die richtigen Fragen.
Ja, ich bin Optimist, ich glaube immer noch an die Möglichkeit der Brücke, selbst wenn ich im kalten Wasser der Schlucht stehe. Ich glaube an die Sonne hinter dem Nebel und an die saubere Luft nach dem Sommergewitter. Weil es schlicht und einfach sonst keine Alternativen gibt.
Selbst wenn die Lage aussichtslos wäre, gibt es doch keinen anderen Weg, als den nächsten Schritt zu setzen. Nicht wegen des Zieles, sondern alleine des Weges willen.

Ich bin Mediator

Ich bin Mediator und meine Haltung ist von naiven Aspekten geprägt. Daher weigere ich mich schlicht, einzustimmen in den Chor der Verunmöglicher.  Der Konsens, die Gemeinsamkeit, der Frieden sind möglich. Arbeiten wir daran und schaffen wir unser Ziel.